Deutschland kappt wissenschaftliche Kooperationen – was folgt daraus? mit Russland

Horizon Europe: EU setzt Kooperation mit Russland aus - Forschung & Lehre
EU setzt wissenschaftliche Kooperationen mit Russland vorerst aus. Quelle: forschung-und-lehre.de

Die Ansage des Bundesforschungsministeriums vor einigen Tagen war deutlich: “Es werden alle laufenden und geplanten Maßnahmen mit Russland eingefroren und aktuell kritisch überprüft. Neue Maßnahmen wird es bis auf Weiteres nicht geben”, schrieb eine Sprecherin. Die großen deutschen Wissenschaftsorganisationen schlossen sich dem Appell umgehend an.

Doch Wissenschaft als politisches Instrument einzusetzen, ist weitgehend Neuland. Umso schmaler ist der Grat, inwieweit solche tiefgreifenden Sanktionen gezielt den Aggressor, die politische Führung Russlands, treffen, und inwieweit einzelne, unbeteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darunter leiden. Allein die DFG fördert derzeit mehr als 300 Kooperationsvorhaben mit Russland. An zahlreichen Großforschungsprojekten sind russische Institute beteiligt, russische Gastwissenschaftler lehren an deutschen Hochschulen und umgekehrt.

Wie umgehen mit russischen Wissenschaftskooperationen?

In einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel schreibt HRK-Präsident Peter-André Alt, dass vor dem Hintergrund des offenen Protests Tausender russischer Wissenschaftler gegen Putin und seinen Angriffskrieg auf die Ukraine in einem offenen Brief die Frage erlaubt sein müsse, “ob nicht die Entscheidung zum Einfrieren der Wissenschaftsbeziehungen die Kritiker Putins eher treffe als sein brutales Regime.” Er bekräftigt jedoch anschließend: “Nur wenn wir uns eindeutig positionieren, wird der Einspruch der Wissenschaft gegen den russischen Angriffskrieg auch wahrgenommen.” Mit dem Vorstoß der deutschen Wissenschaft wächst auch der Druck auf die Europäische Union, zu entscheiden, wie diesbezüglich mit Russland umgegangen wird (University World News). Dort ist man noch uneins, ob die Forschung und die Forschungszusammenarbeit politisiert werden soll.

Hintergrund

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat sämtliche Kooperationen mit Russland bis auf weiteres beendet. Alle gemeinsamen Projekte in Wissenschaft, Forschung und Berufsbildung seien vorerst gestoppt und würden nun “kritisch geprüft”. Neue Kooperationen werde es vorerst nicht geben. Den Schritt rechtfertigte die zuständige Ministerin Bettina Stark-Watzinger damit, dass die russische Führung durch ihren Angriff auf die Ukraine „selbst aus der internationalen Gemeinschaft ausgestiegen“ sei (Forschung und Lehre). Die “Allianz der Wissenschaftsinstitutionen”, ein Zusammenschluss der bedeutendsten Wissenschafts- und Forschungsorganisationen in Deutschland, darunter die DFG, der DAAD, die Hochschulrektorenkonferenz sowie Einrichtungen wie die Fraunhofer-Gesellschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft, begrüßt das Vorgehen. Gleichzeitig betont der Verbund, die Maßnahmen würden negative Folgen für die Wissenschaft und die Arbeit von Wissenschaftlerinnen in Russland haben. “Daher gilt auch unseren langjährigen russischen Kooperationspartnern, die über die Invasion Russlands in die Ukraine selbst entsetzt sind, unsere Solidarität”, heißt es in einer Stellungnahme. Die Entscheidung, Russland auch wissenschaftlich zu isolieren, dürfte weitreichende Folgen haben. Zu den Programmen, die nach dieser Ankündigung bereits gestoppt wurden, zählt unter anderem die Förderung von Forschungsprojekte zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland und Russland durch die DFG.

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