Digitales Lernen – Teil IV

Digitale Lehre – Corona als Risiko und Chance. Ein Beitrag von Prof. Ertl — Home
Digitale Lehre ist nicht gleich digitale Lehre. E-Learning-Angebote müssen in jedem Fall einen Mehrwert haben. Quelle: unibw.de

Der hier vorletzte Beitrag unserer Serie zum Thema  „Lernen in einer digitalen Welt – Chancen und Hürden im Studium“ stellt aus den vom Lerncoach-Team der Hochschule Ostfalia zusammengetrageneb 14 Thesen die Thesen 9 bis 11 vor: 

These 9: eLectures fördern Aufschiebeverhalten.

Stimmt. Die Einführung von eLectures bewirkt einen wichtigen Beitrag zur Chancengleichheit. Es bietet fortwährenden Zugang zum Lernangebot z.B. wenn sich Studierende in Elternzeit befinden. Ebenso ist es möglich in einem individuellen Lerntempo zu lernen, was Unterschiede in der kognitiven Leistungsfähigkeit ausgleichen kann. Diese Flexibilität wird von allen Studierendengruppen geschätzt, selbst von strukturell privilegierten, die wenig andere Verpflichtungen neben dem Studium haben. Soweit die positiven Aspekte. Die eigenständige Bestimmung beim Lernen birgt jedoch die Gefahr, die permanente Verfügbarkeit der Materialien als Sicherheit wahrzunehmen. Das kann im Verlauf des Semesters zu zeitlichen Schwierigkeiten in der angemessenen Bearbeitung führen. Untersuchungen zeigen, dass der daraus entstehende Druck eher zu einem Aufschieben der zu erledigen Tätigkeiten führen als zu einer Bearbeitung. Studierende, die schon zur Prokrastination (Aufschiebetendenz) neigen, können dadurch in noch problematischere Studienverläufe geraten.

These 10: Innovationen im Bereich digitaler Lehre sind leicht umzusetzen.

Stimmt nicht. Leicht kann der Gedanke aufkommen, digitale Lehre besteht darin, die vorhandenen Inhalte einfach online zu stellen oder einfach die Veranstaltung zu filmen und als Stream anzubieten. Das wäre leicht, aber wenig zielführend und keinesfalls Ansprechend. E-Learning Angebote sind vielfältig in ihrer Erscheinungsform und längst nicht alle sind neu. Ihnen allen ist jedoch eigen, dass sie einen Mehrwert haben sollen. Dahinter steckt die Entwicklung neuer didaktischer Möglichkeiten durch Technik. Das heißt, digitale Lernangebote müssen für Lehrende wie für Lernende einen Nutzen haben. Das bedingt eine didaktische Aufbereitung der akademischen Inhalte für das neue Medium. Eine ansprechende Gestaltung, sodass das neue Medium auch für den Wissenstransfer genutzt wird. Die technische Infrastruktur der Hochschule muss angepasst werden und die Lehrenden auch die nötigen Kompetenzen in der Entwicklung und Bedienung der neuen Konzepte aufweisen. All diese Notwendigkeiten benötigen Zeit und Geld.

These 11: Das Internet erleichtert das Lernen.

Kritisch. Das Internet hat die Art verändert wie wir lernen. Früher war die Schwierigkeit an geeignete Informationen zu kommen, heute ist es die schiere Masse an Information, die zu bewältigen ist. Zu jeder Fragestellung findet sich eine Vielzahl an Antworten und Tutorials. Und das ist auch gut so. Schwierig hingegen ist die Ablenkung, die das Internet gleichzeitig bietet. Nachrichtendienste, Soziale Netzwerke oder Videoplattformen können eine gute Unterstützung beim Lernen sein. Jedoch sind sie ebenso ein sehr großer Ablenkungsfaktor. Ein schneller Klick und man kommentiert die letzten Posts oder hört nur noch mal schnell in das neue Album rein. Schon ist die Aufmerksamkeit überall, nur nicht mehr bei dem Thema, das eigentlich zu lernen ist. Es bedarf einiges an Selbstkontrolle, um am Rechner zu lernen und sich nicht permanent aus der Konzentration reißen zu lassen.

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