Digitales Lernen – Teil V

Hirnforschung: Digitale Demenz? Von wegen! - WELT
Hirnforschung widerlegt Mythos „Digitale Demenz“. Quelle: welt.de

Dieser nun schließlich letzte Beitrag unserer Serie zum Thema  „Lernen in einer digitalen Welt – Chancen und Hürden im Studium“ erläutert aus den vom Lerncoach-Team der Hochschule Ostfalia zusammengetragenen 14 Thesen die Thesen 12 bis 14: 

These 12: Nutzung digitaler Medien fördert digitale Demenz.

Stimmt nicht. Es klingt logisch, wer nicht mehr selbst nachdenken oder sich etwas merken muss, wird immer dümmer. Die so genannte digitale Demenz ist ein Mythos unserer Zeit, der sich hartnäckig hält. Trotzdem ist er falsch. Es gibt keinen einzigen wissenschaftlichen Nachweis dieses Effektes. Viele merken vielleicht selbst, dass sie vor zwanzig Jahren mehr Telefonnummern auswendig konnten als heute. Ein beliebtes Argument. Aber ist das ein Verlust? Wie viele PINs und Kennwörter hat man dafür ständig parat? Neurowissenschaftliche Untersuchungen zeigen ein anderes Bild. Unser Gehirn sortiert Informationen, die man nicht braucht, aus. Telefonnummern sind ja im Smartphone gespeichert, warum also das Gedächtnis belasten? Somit werden Kapazitäten geschaffen, andere Informationen abzuspeichern, die nicht in der Cloud zu finden sind.

These 13: Der Einsatz digitaler Lehr- und Lernmethoden erreicht neue Zielgruppen.

Stimmt. Durch den Einsatz digitaler Lehr- und Lernmethoden können die Hochschulen die zunehmend heterogene Studierendenschaft in den verschiedenen Studienphasen besser unterstützen. Durch die flexiblere Anpassung an die individuellen Bedürfnisse, unterschiedlichen Lebensformen, Bildungsbiografien und Studienstrategien wird nichttraditionellen Studierenden der Hochschulzugang erleichtert. Das gilt besonders für Studierende aus dem Ausland, insbesondere Entwicklungs- und Schwellenländern oder Krisengebieten, die durch digitale Angebote bei der Studienvorbereitung und –durchführung unterstützt werden können.

These 14: Das Smartphone verbessert die Produktivität.

Stimmt nicht. Kaum etwas hatte so starken Einfluss auf die Gesellschaft wie das Smartphone. Selbst in der Arbeitswelt wird es als große Innovation angesehen. Mitarbeiter können weiter an Projekten arbeiten, auch wenn sie unterwegs sind. Studierende können Arbeits- und Projektgruppen schneller koordinieren, Informationen über Messenger-Dienste nahezu ohne Zeitverlust an alle verteilen. Eine Untersuchung das Kaspersky Lab mit den Universitäten Würzburg und Nottingham-Trent zeigte einen starken Anstieg der Produktivität, wenn kein Zugriff auf das Handy am Arbeitsplatz vorhanden war. Der Arbeitsplatz von Studierenden ist die Wissensaneignung am Schreibtisch. Je nach Untersuchung schauen wir im Schnitt alle 6 bis 13 Minuten auf das Handy. Messenger, News-Feed und Soziale Netzwerke sorgen dafür, dass es nicht nur bei einem Blick bleibt. Besonders in der Klausurenphase ist konzentriertes Lernen gewünscht und erforderlich, ob das Smartphone dabei auf dem Tisch liegen sollte, muss jeder selbst entscheiden. Förderlich ist es jedenfalls nicht.

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