Ein Drittel aller Studierenden lebt in Armut

Ein Drittel der Studierenden lebt unterhalb der Armutsschwelle. Das soll sich nun ändern. Foto: Karolina Grabowska / pexels

So etwas nennt man Timing: Einen Tag vor der gestrigen Sachverständigen-Anhörung zur BAföG-Novelle (PDF) legte der Paritätische Wohlfahrtsverband eine Untersuchung vor, wonach ein Drittel aller Studierenden in Deutschland in Armut lebt. Sie haben durchschnittlich 802 Euro im Monat zur Verfügung und liegen damit 463 Euro unterhalb der Armutsschwelle.

Von Armut betroffen sind zu 45 Prozent auch Studierende mit Bafög (ZEIT Online, FAZ, Süddeutsche Zeitung). Die geplante Erhöhung der BAföG-Sätze um fünf Prozentpunkte auf dann gut 550 Euro reiche nicht aus, nötig sei eine grundlegende strukturelle Reform, erklärte der Verband und unterstrich damit die bestehende Kritik von Studierenden, der Gewerkschaft und des DSW an der Novelle. Eine umfassende BAföG-Reform hatte die Berliner Ampelregierung vor längerem schon für einen späteren Zeitpunkt zugesagt. Die aktuelle Novelle will sie als ersten Schritt verstanden wissen.

Mehr Studierende sollen BAföG-berechtigt werden

Am gestrigen Mittwoch beschloss das Kabinett denn auch einen Notfallmechanismus fürs BAföG, der den Zugang zur Studienförderung in Krisenzeiten wie  Pandemien erleichtern soll (Handelsblatt). Unabhängig davon soll die Altersgrenze für Antragsberechtigte auf 45 Jahre erhöht werden, und die Elternfreibeträge sollen um 20 Prozent steigen. Das Ziel: Mehr Studierende sollen BAföG-berechtigt sein. Wie DSW-Generalsekretär Matthias Anbuhl gestern im Wissenschaftsausschuss betonte, dürfen 40 Prozent aller Studierenden derzeit gar keinen Antrag stellen, weil sie zu alt sind, die Regelstudienzeit überschreiten oder „den falschen Pass“ haben, wie es in der DSW-Stellungnahme (PDF) schriftlich heißt. Deshalb sei die angekündigte strukturelle Reform dringend nötig. Als „absolut unzureichend“ bezeichnete die aktuelle Novelle auch Studierendenvertreterin Lone Grotheer. Bundesministerin Bettina Stark-Watzinger hingegen verteidigt die Reform. „Das Ziel ist, den Trend umzukehren“, erklärte die FDP-Politikerin kürzlich im taz-Interview.

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