Folge 3: Generation Z – Wie ticken unsere Jugendlichen?

SINUS-Jugendstudie 2016: Mainstream statt Subkultur

Jugendstudien, Hochschule Fulda
Nach Ergebnissen der SINUS-Jugendstudie sind Jugendliche grundsätzlich Sinnfragen aufgeschlossen, aber skeptisch gegenüber Religionsgemeinschaften als Institutionen. Foto: Wahl

Wie im Februar angekündigt, stellen wir heute die wesentlichen Ergebnisse der SINUS-Jugendstudie 2016 vor. Um eins schon einmal vorweg zu nehmen: Statt sich in Jugend-Subkulturen abgrenzen und provozieren zu wollen, gehört die Zugehörigkeit zum „Mainstream“ zum positiven Selbstverständnis heutiger Jugendlicher. Hintergrund ist der mehrheitliche Konsens darüber, dass ein gemeinsamer Wertekanon von Freiheit, Aufklärung, Toleranz sowie sozialen Werten der maßgebliche Garant für ein „gutes Leben“ in Deutschland sei.

Zunehmende Akzeptanz von Vielfalt im Kontext von Flucht und Asyl

Obige Feststellung hat zum Beispiel zur Folge, dass die Akzeptanz von Vielfalt zunehmend und mehrheitlich zunimmt. Diese soziale Norm gilt sowohl für Jugendliche mit als auch ohne Migrationshintergrund. Entsprechend tolerant zeigt sich die Mehrheit der Befragten gegenüber der Aufnahme von Geflüchteten und Asylsuchenden. Dennoch zeigen einige wiederum Ressentiments und ausgrenzende Haltungen gegenüber Menschen anderer nationaler Herkunft und sozialen Randgruppen bzw. haben Vorbehalte gegenüber anderen Nationen. Diese werden meistens im Rahmen tradierter Stereotype geäußert und von den Jugendlichen selbst nicht als Klischee oder Vorurteil erkannt. Dies ist insbesondere bei vielen Jugendlichen in den benachteiligten Lebenswelten zu beobachten. Dort ist das positive Bild einer pluralen, vielfältigen Gesellschaft (noch) nicht fest als soziale Norm verankert.

Zunehmende Toleranz gegenüber unterschiedlicher Religionen

Solange eine gemeinsame Wertebasis im Freundeskreis existiert, ist religiöse Heterogenität darin für die Jugendlichen kein Problem. Religiöse Begründungen von Gewalt etwa lehnen Jugendliche aller Lebenswelten deutlich ab. Gerade unter den befragten muslimischen Jugendlichen festigt sich religiöse Toleranz als Norm. Auch distanzieren sie sich demonstrativ vom radikalen Islamismus.

Im Allgemeinen sind Jugendliche Sinnfragen aufgeschlossen, aber skeptisch gegenüber Religionsgemeinschaften als Institutionen. In den meisten Lebenswelten stellt die eigene Glaubensgemeinschaft keinen hohen Stellenwert dar, wird aber auch nicht grundsätzlich in Frage gestellt.

„Neo-Konventionalismus“ im Spannungsfeld von Selbstentfaltung und Lustprinzip

Auch die generelle Anpassungsbereitschaft und selbstverständliche Akzeptanz von Leistungsnormen und Sekundärtugenden sind unter den Jugendlichen – wiederum mit oder ohne Migrationshintergrund – entsprechend ausgeprägt, ausgenommen jener aus postmodern geprägten Lebenswelten. Trotz dieses „Neo-Konventionalismus“ herrschen nach wie vor auch jugendtypische Werte wie der Wunsch nach Selbstentfaltung sowie hedonistische und postmoderne Werte vor, je nach Lebenswelt in unterschiedlich starker Ausprägung (siehe Grafik in Folge 2).

Digitale Medien: Intensive Nutzung, aber skeptische Haltung

Die heutigen Jugendlichen sind sich der Risiken des digitalen Medienumgangs im Großen und Ganzen bewusst (zum Beispiel Überwachung, unkontrollierte Datennutzung). Sie möchten digitale Medien nicht nur nutzen, sondern auch verstehen. Viele sprechen sich für mehr Hilfestellungen von der Schule aus bei etwa der Frage, wie sie sich sicher und trotzdem frei im Netz bewegen können. Der „richtige“ Umgang mit digitalen Medien sehen vor allem Jugendliche aus bildungsnahen Lebenswelten als anspruchsvolle Aufgabe an. Auch wird erstmals der Wunsch nach Entschleunigung laut. Im Allgemeinen sind digitale Kompetenzen je nach Bildungshintergrund der Lebenswelten nach wie vor unterschiedlich ausgeprägt – trotz ihrer zunehmenden Relevanz für soziale Teilhabe und berufliche Zukunft.

Umweltschutz und kritischer Konsum: Stärkeres Bewusstsein, schwächer in der Umsetzung

Jugendstudien, Hochschule Fulda
Das Bewusstsein für Umweltschutz, Klimawandel und kritischer Konsum hat sich bei vielen Jugendlichen in jüngster Zeit verschärft: Jedoch fühlen sie sich auf der praktischen Handlungsebene oft ohnmächtig und bei der Umsetzung der eigenen Ansprüche ausgebremst. Foto: Wahl

Umweltschutz, die Erhaltung natürlicher Lebensgrundlagen sowie kritischer Konsum stehen bei den Jugendlichen durchaus auf der Agenda. Im tatsächlichen Engagement bzw. in der praktischen Umsetzung bleiben diese Themen jedoch bei den meisten eher graue Theorie. Das Gefühl, dass Einzelne nicht viel ändern können, oder Preisargumente bremsen oftmals ein den Nachhaltigkeitsanforderungen angepasstes Kaufverhalten in der Praxis aus. Auch das Thema Klimawandel bewegt viele Jugendliche, doch gerade in den Lebenswelten mit niedriger Bildung spielt es wiederum kaum eine Rolle – u.a. angesichts der Schwierigkeiten, die komplexen Zusammenhänge zu verstehen.

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