Hochschule entwickelt Strategie für weniger CO2-Ausstoß („Dekarbonisierung“)

Eine Strategie für die Dekarbonisierung des innerstädtischen Schwerlastverkehrs
Mit diesem E-Brummi von 26 Tonnen werden im Projekt mit der Hochschule Fulda im Rhein-Main-Gebiet Daten gesammelt, um die sogenannte Dekarbonisierung von Firmenfuhrparks und die Energiewende im Verkehrssektor voranzubringen. Quelle: Hochschule Fulda

Ein Pilotprojekt der Hochschule Fulda und des Baustoffhändlers Stark Deutschland GmbH will schwere E-Lkw in der Logistik einsetzbar machen, die weniger Co2-Emissionen, also eine Dekarbonisierung des innerstädtischen Schwerlastverkehrs ermöglichen sollen.

E-Lkw können die CO2-Bilanz selbst beim derzeitigen Strommix sichtbar verbessern. Den größten Hebel bieten Fahrzeuge ab zwölf Tonnen. Doch im Schwerlastbereich gewerblicher Verkehre ist der Anteil an E-Lkw bislang gering. Das Problem: Es mangelt an Realdaten, auf deren Basis Unternehmen eine Dekarbonisierungs-Strategie für ihren Fuhrpark entwickeln können. Ein gemeinsames Projekt der Hochschule Fulda und des Baustoffhändlers Stark Deutschland GmbH will diese Daten für einen 26-Tonner im urbanen Raum durch Anwendungstests erheben und eine wissenschaftlich abgesicherte Strategie entwickeln. Die Ergebnisse sollen anderen Unternehmen helfen, denselben Weg zu beschreiten.

Welche Dieselfahrzeuge und Touren lassen sich im innerstädtischen Schwerlastverkehr unter den derzeitigen Rahmenbedingungen schon durch E-Lkw ersetzen?

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Entscheidende Stellschraube zur CO2-Reduktion im Straßengüterverkehr: Fahrzeuge ab zwölf Tonnen Gesamtgewicht. Quelle: stark-deutschland.de

Dieser Frage wollen die Hochschule Fulda und die Stark Deutschland GmbH nachgehen und über Anwendungstests im Alltag und Tourenanalysen erheben. Die Stark Deutschland GmbH wird dazu zur Kundenbelieferung von ihrem Raab Karcher-Standort in Frankfurt am Main aus ein 3-Achs Verteilerfahrzeug einsetzen, betrieben durch einen 264-kW-Elektromotor. Laut Hersteller hat es eine Reichweite von maximal 200 Kilometer. Das Projekt fokussiert einen Bereich, der den größten Hebel zur CO2-Reduktion im Straßengüterverkehr bietet: Fahrzeuge mit mehr als 12 Tonnen Gesamtgewicht. In Deutschland verursacht der Straßengüterverkehr etwa neun Prozent der CO2 -Emissionen (CO2-Äquivalent). Fahrzeuge mit mehr als 12 Tonnen Gesamtgewicht sind für rund fünf Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich. Etwa 70 Prozent des Güterverkehrs in Deutschland erfolgen per LKW und verursachen damit rund ein Drittel der CO2-Emissionen allein im Verkehrssektor.

Ziel:  Insgesamt nachhaltigere Ausrichtung des Logistiksektors in Deutschland

Ziel des Projekts ist es, mindestens 20 bis 30 Prozent des Fuhrparks der Stark Deutschland GmbH am Standort Frankfurt bis 2025 durch den Einsatz von E-Lkw zu dekarbonisieren – eine entsprechende Weiterentwicklung im Bereich der Batterietechnik vorausgesetzt. Die Strategie und die während des Projekts gesammelten Erfahrungen sollen der Öffentlichkeit im Rahmen eines Handlungsleitfadens bereitgestellt werden, sodass andere Unternehmen die Erkenntnisse auf ihre Nahverkehre im urbanen Raum anwenden können. Das Projekt läuft bis Oktober 2023 und wird vom Hessischen Wirtschaftsministerium mit rund 443.000 Euro gefördert. 

Senkung der CO2-Emissionen sowie Feinstaub durch E-LKW’s im Stadtgebiet stark reduzierbar

Prof. Dr. Boris Zimmermann, am Fachbereich Wirtschaft zuständig für  Allgemeine BWL, insbesondere Logistik, sowie Leiter des Projekts: Quelle: Hochschule Fulda

Beim derzeitigen Energiemix in Deutschland kann der Einsatz eines E-Lkw mit circa 26 Tonnen Gesamtgewicht den jährlichen CO2 -Ausstoß um bis zu 40 Tonnen reduzieren, hat Professor Dr. Boris Zimmermann berechnet. Er ist Logistiker im Fachbereich Wirtschaft an der Hochschule Fulda und leitet das Projekt. Dabei sind die Emissionen, die durch die Herstellung der Batterie und durch den derzeitigen deutschen Strommix entstehen, bereits berücksichtigt. Zusätzlich, so betont er, werde der lokale Feinstaub um mindestens 50 Prozent reduziert, die Stickstoffoxid-Emissionen verringerten sich sogar um 95 Prozent. Das Projekt leiste damit auch einen Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen im Stadtgebiet Frankfurt. „Wir wollen Wege aufzeigen, wie Unternehmen schon jetzt damit beginnen können, auf E-Lkw umzustellen“, sagt Professor Zimmermann.

Herausforderung und Kernaufgabe: Effiziente Dekarbonisierungs-Strategien für Unternehmen entwickeln

Bis 2040 könnten seinen Berechnungen zufolge durch staatliche Zuschüsse in Höhe von 25 bis 35 Milliarden Euro etwa 200.000 Lkw mit mehr als 12 Tonnen Gesamtgewicht dekarbonisiert werden, inklusive Aufbau der dafür notwendigen Ladesäulen bei den Unternehmen. Die letzten Schritte zur vollständigen Dekarbonisierung, wenn der Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien gewonnen wird, würden insgesamt weitere acht Milliarden Euro kosten, so der Wissenschaftler. Die CO2 -Emissionen des schweren Straßengüterverkehrs lägen dann bei etwa 0,5 Prozent der gesamten Emissionen. „Dieses Ziel lässt sich nur erreichen, wenn die Unternehmen effiziente Dekarbonisierungs-Strategien entwickeln können“, betont Professor Zimmermann. „Das ist eine der Kernaufgaben des Projekts. Es übernimmt auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle, da es bisher in Deutschland keine wissenschaftlich abgesicherte Dekarbonisierungs-Strategie des Schwerlastverkehrs in Ballungsgebieten gibt.“

Zum Hintergrund: Akteure melden sich zu Wort

Jens Deutschendorf, Hessischer Staatssekretär für Energie, Verkehr und Wohnen
Jens Deutschendorf – Staatssekretär für im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen. Quelle: Oliver Rüther – HMWEVW

Das Projekt läuft bis Oktober 2023 und wird – wie oben erwähnt – vom Hessischen Wirtschaftsministerium mit rund 443.000 Euro gefördert. „Wenn wir die Klimaerwärmung begrenzen wollen, müssen wir auch unsere Mobilität CO2 -neutral organisieren“, sagt Staatssekretär Jens Deutschendorf (Grüne). „Doch während Pkw mit Elektroantrieb mittlerweile serienreif sind, liegen wir bei den Nutzfahrzeugen noch zurück. Was fehlt, sind praktische Erkenntnisse zur Alltagstauglichkeit von E-Lkw. Mit unserer Förderung wollen wir dazu beitragen, diese Lücke zu schließen und den Übergang zum klimafreundlichen Güterverkehr zu beschleunigen. Das Interesse der Branche zeigt, wie notwendig dies ist.“

Michael Knüppel
„Bausektor besonders in der Pflicht beim Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft“: Michael Knüppel, CEO bei Stark Deutschland. Quelle: stark-deutschland.de

„Den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft zu ermöglichen, ist die wohl größte Aufgabe unserer Generation. Der Bausektor ist aufgrund seines immensen Ressourcenverbrauchs und CO2-Fußabdrucks besonders in der Pflicht. Als Unternehmen tragen wir somit eine Mitverantwortung dafür, dass die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreicht werden“, sagt Michael Knüppel, CEO bei Stark Deutschland. Im März 2021 hat sich die Stark Group deshalb im Rahmen der „Science Based Targets Initiative“ auf das 1,5-Grad-Ziel verpflichtet. Bis 2045 will das Unternehmen klimaneutral werden. „Gemeinsam mit unseren Kunden und Partnern aus der Bauindustrie werden wir Nachhaltigkeit und Digitalisierung in der Bauwirtschaft vorantreiben. Wir sind bereit, hier Pionierarbeit zu leisten.“

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