„Zweischneidiges Schwert“: DIW-Studie zum Dauerbrenner Studiengebühren

In vielen Ländern dieser Welt sind sie völlig normal, in Deutschland jedoch ein rotes Tuch: Studiengebühren. Kaum hatten sie alle Bundesländer eingeführt, wurden sie nach und nach auch schon wieder abgeschafft (in Hessen im Jahr 2008, zuletzt Niedersachsen im Jahr 2014). Aus einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung geht jetzt hervor, dass sie sowohl erwünschte wie auch unerwünschte Nebenwirkungen hatten.

Demnach schlossen Studierende, die zum Zeitpunkt der Einführung von Studiengebühren bereits eingeschrieben waren, ihr Studium schneller und häufiger ab, als es ohne Studiengebühren der Fall gewesen wäre – teilweise lag der Unterschied bei sechs Prozentpunkten. Allerdings nahmen aufgrund der Gebühren weniger Studienberechtigte ein Studium auf.

„Die allgemeinen Studiengebühren waren ein zweischneidiges Schwert“, sagt Studien-Autor Felix Weinhardt. Gemeinsam mit Jan Marcus und Jan Bietenbeck wertete er amtliche Individualdaten der Studenten- und Prüfungsstatistik aus. Als Kompromiss, um die Vorteile von Studiengebühren – wie einen zügigeren Studienabschluss – zu nutzen und gleichzeitig unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden, schlagen die Studienautoren nachgelagerte Studiengebühren vor: Die Studierenden würden die Gebühren erst dann zahlen müssen, wenn sie nach dem Studium ein bestimmtes Einkommen erzielen. Das sei fair gegenüber so manchem kostenintensiven Ausbildungsberuf. 

Zusammenfassung der Studie

  • Studie untersucht auf Basis amtlicher Daten Auswirkungen von Studiengebühren auf bereits eingeschriebene Studierende und potenzielle Studienanfänger*nnen
  • Studiengebühren führten in Vergangenheit dazu, dass sich weniger Studienberechtigte für ein Studium entschieden
  • Zum Zeitpunkt der Einführung von Studiengebühren bereits eingeschriebene Studierende schlossen ihr Studium jedoch schneller und häufiger ab
  • Studiengebühren hatten also sowohl erwünschte als auch unerwünschte Folgen
  • Kompromiss – da Universitäten unterfinanziert sind – könnten nachgelagerte Studiengebühren sein: Höhere Abschlussquoten ohne rückläufige Einschreibungen wären möglich

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