Verwirrung angesichts Studienvielfalt – goldene Zeiten für die Berater*innen-Zunft?

Studienorientierung, Hochschule Fulda
Endlich eingeschrieben!? – Bis zur Immatrikulation kann es für viele ein langer Weg der Studien-, Ausbildungs- und Berufssuche sein. Foto: Hochschule Fulda/Michael Steffen
Wer die Wahl hat, hat die Qual. – Dieser alte Spruch trifft auf viele Schulabgänger*innen zu, die nun vor dem nächsten Schritt in Richtung, Ausbildung, Studium und Beruf stehen. Denn allein wer sich für ein Studium entscheidet, verliert angesichts der 20.000 Studiengänge in Deutschland verständlicherweise leicht  die Orientierung. Goldene Zeiten für die Berater*innen-Zunft?
„Das Arbeitsmarkt- und Studiengang-Angebot ist unübersichtlich geworden.“ Das weiß nicht nur Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbands, im Interview mit der FAZ. Neben den betroffenen Schüler*innen haben sich gerade Hochschulen und Agenturen für Arbeit auf die wachsende Verwirrung eingestellt und stellen hierfür eigens ausgebildete Mitarbeiter*innen, die im Dickicht der Ausbildungswege zum besseren Duchblick verhelfen sollen.

Wie Pilze aus dem Boden: Beratungsinstitute und private Coaches

Aber auch private Coaches werden von den Ratsuchenden zunehmend aufgesucht, die hierfür die relativ hohen Kosten nicht scheuen. Seriöse Studien- und Berufsberater*innen auf dem freien Markt legen v.a. den Fokus auf Begleitung bei der Selbstfindung und -stärkung. Nicht wenige bieten ausgefeilte Tests an. Die sollen helfen, sich, seine Wünsche und Ziele besser kennenzulernen, auf diese Weise seine Zukunftsperspektiven und Berufswünsche und den damit einhergehenden Ausbildungswegen zu identifizieren sowie das eventuell schwindende Selbstvertrauen zu stärken, das im Zuge der Ausbildungssuche durchaus verloren gehen kann. Doch Vorsicht: Im Gegensatz zu Hochschulen und Agenturen für Arbeit ist die Beratung bei den privaten Beratungsangeboten – ob selbständige Einzelcoaches oder Beratungsinstitute – nicht kostenfrei. Wer auf diesen Service zurückgreifen will, sollte sich die Qualifikationen der Anbieter sehr genau anschauen, damit sich die Investition in die Zukunft auch lohnt.

Vage Berufswünsche und unklare Ausbildungswege

Fast jede*r „weiß „irgendwie“, was er/sie mal später machen will, kann es aber nicht richtig fassen, was genau, und schon gar nicht, wie er/sie dahin kommt. Auch wenn die Wahl endlich getroffen wurde, muss sie nicht unbedingt die richtige sein. Fast ein Drittel aller Studierenden brechen ihr Studium ab. Ursachen hierfür sehen Expert*innen in der riesigen Auswahl, in den rasant verändernden Technologien oder auch darin, dass die Schulabgänger*innen immer jünger werden und oftmals weniger finanziellen Druck haben, etwas durchziehen zu müssen. Dennoch bleibt die Zahl alarmierend. Steigende Studienaabbrecherquoten haben z.B. gerade in den vergangenen Jahren verstärkt zu verstetigenden Kooperationen zwischen Hochschulen und Schulen geführt. Die Zusammenarbeiten haben u.a. das deutlich erklärte, gemeinsame Ziel, v.a. Oberstufenschüler*innen möglichst früh und be-greif-bar bei der Studien-und Berufswahl zu unterstützen. Einige Stimmen sprechen sich deshalb für eine noch frühere Studien- und Berufsorientierung in der Mittelstufe aus.

Studienorientierung, Hochschule Fulda
Das Beratungsangebot zur Studien-, Ausbildungs- und Berufswahl ist insgesamt sehr gut. Auch das Angebot der Zentralen Studienberatung (ZSB) der Hochschule Fulda wird weitreichend genutzt. Foto: Hochschule Fulda / Michael Steffen

Beratungsangebot insgesamt sehr gut

Denn insgesamt ist das Beratungsangebot sehr gut, gerade an und mit den Hochschulen. Praktika, Schnuppertage, Hochschultage, Job- und Studienmessen gibt es zuhauf. Statt abstrakten Vorträgen berichten etwa Studierende von ihren Erfahrungen mit den jeweiligen Studiengängen und bieten gemeinsam mit Studienberater*innen, Hochschulmitarbeiter*innen und Professor*innen viel Raum für Fragen und Gespräche.

Ähnliches gilt für die Ausbildungs- und Berufsberatung seitens der Agenturen für Arbeit, die meist zu Unrecht mit dem Vorurteil zu kämpfen hat, sie böte nur Mangelberufe an. Denn sowohl in den Beratungen der Hochschulen als auch in denen der Agenturen für Arbeit wird sich üblicherweise Zeit für die Ratsuchenden genommen, um dabei zu unterstützen, einerseits gemeinsam die Stärken und Interessen herauszufiltern und Ausbildungs- und Berufswege zu ermitteln und andererseits, die Informationsflut einschätzen und bewältigen zu lernen.

Schließlich ist die Berufswahl sowie der mögliche Ausbildungs- bzw. Studienweg ein langer Findungsprozess, der mit sehr persönlichen und entscheidenden Fragen an sich selbst einhergeht. Also, keine Panik! Druck rausnehmen! Öfter auch mal mit Familie, Freunden und Experten aus dem Arbeitsmarkt sprechen! Dann klappt das auch mit der Wahl – ohne Qual!

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