200 Mitarbeiter*innen zum betriebliche*n Ersthelfer*in ausgebildet

Ai-Mitarbeiter beim Erste-Hilfe-Kurs
Die Kolleg*innen aus der Angewandten Informatik (AI) Christian Pape (li.), Dennis Biezá und Merete Hirth wenden jetzt auch in Notfällen lebensrettende Sofortmaßnahmen an. Foto: D. Biezà

Erste Hilfe kann Leben retten

Wer in den vergangenen Wochen einen Blick in die Räumlichkeiten des Gebäudes 41 (B) der Hochschule Fulda  riskiert hat, dem könnte sich ein äußerst verstörendes Bild geboten haben: Scheinbar Bewusstlose liegen auf dem Boden und werden vorsichtig in die stabile Seitenlage gebracht. Drumherum sitzen Menschen mit mehr oder weniger sachgemäß angelegten Kopf- oder Armverbänden. Weiter hinten wird mittels schweißtreibender Herz-Muskel-Massage im Rhythmus von „Staying Alive“ und geräuschvoller Mund-zu-Mund-Beatmung um das Leben einer Gummipuppe gekämpft (, deren Zustand angesichts ihrer fehlenden Gliedmaßen und sonstiger Körperteile tatsächlich mehr als kritisch zu sein scheint).

Doch dieser Anblick sollte in dem Fall kein Anlass zur Sorge sein, im Gegenteil. Denn hier proben Hochschulmitarbeiter*innen im Rahmen ihrer betrieblichen Ersthelfer*innen-Ausbildung gemeinsam mit Mitarbeitern des Deutschen Roten Kreuzes für den Ernstfall, dann nämlich, wenn tatsächlich gesundheitserhaltende bzw. lebensrettende Sofortmaßnahmen durch Laien eingeleitet werden müssten.

Helfen in Not: Zwischen natürlichem Impuls und Bürgerpflicht

Gosbert Orschel, zuständig für Arbeitssicherheit und Koordinator der Ersthelfer*innen-Ausbildung an der Hochschule Fulda, weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, bei einem Notfall wie etwa einem Unfall, einer lebensbedrohlichen Erkrankung oder Vergiftung Erste Hilfe  zu beherrschen: „Es geht nicht nur darum, dass jeder von uns moralisch verpflichtet ist, Erste Hilfe zu leisten und darüber hinaus bei unterlassener Hilfeleistung gesetzlich belangt werden könnte. Ich habe in meinen nunmehr 17 Jahren an der Hochschule zweimal lebensrettende Sofortmaßnahmen leisten müssen und war froh, durch meine Ersthelfer-Ausbildung die nötige Sicherheit gehabt zu haben.“

„Ich war froh, durch meine Ersthelfer-Ausbildung in akuten Notfällen die nötige Sicherheit gehabt zu haben.“ (Gosbert Orschel, Sicherheitsbeauftragter an der Hochschule Fulda und u.a. engagiert bei der Freiwilligen Feuerwehr)

Hemmungen kann Leben kosten

Vom ängstlichen, hilflosen Zuschauer (, der im schlechtesten Fall im Weg herumsteht und stört, im schlimmsten Fall sein Smartphone für Fotos zückt!!!) zum aktiv Helfenden zu werden, wollen viele. Doch noch vor fünf Jahren war Deutschland im internationalen Vergleich Vorletzter, was den Einsatz von Laien in Erste Hilfe anbelangt. Mittlerweile hat es sich ins untere Drittel vorgearbeitet, aber es bleibt viel zu tun. Denn noch immer werden in nur 25 bis 35 Prozent der registrierten Notfälle (die Untersuchungsergebnisse variieren) lebensrettende Sofortmaßnahmen durch Ersthelfer*innen eingeleitet. Laut der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin könnten zum Beispiel pro Jahr 10.000 Menschen mehr eine Herzattacke überleben, wenn sich mehr Laien an die Erste Hilfe herantrauten.

Hochschule Fulda in Sachen Ersthelfer*in gut aufgestellt

Diesem Manko begegnet die Hochschule Fulda aus mehreren Gründen. So durchliefen rund 200 Mitarbeiter*innen der Hochschule im Laufe der Winter- und Frühjahrsmonate die Ausbildung zum*r betrieblichen Ersthelfer*in. Angesichts einer Gesamt-Belegschaft von zurzeit ca. 680 Versicherten ist das eine beachtliche Zahl, denn die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung schreibt für Hochschulen einen Anteil betrieblicher Ersthelfer*innen von „nur“ 10% vor (§26 DGUV Vorschrift 1).

Vor dem Hintergrund ihrer Verpflichtung als Arbeitgeberin hat die Hochschule nach dem Arbeitsschutzgesetz u.a. eine funktionierende Erste-Hilfe-Organisation zu schaffen, die nicht allein ausreichend ausgebildete Ersthelfer*innen umfasst, sondern auch viele weitere Notfallmaßnahmen (u.a. an den Gebäuden), eine zuverlässige Rettungskette und entsprechende Bereitstellung von Sachmitteln (vgl. § 10 ArbSchG). Als öffentliche Institution mit 9000 Studierenden und vielen Besucher*innen erscheint die relativ hohe Zahl an betrieblichen Ersthelfer*innen an der Hochschule Fulda dann doch nicht mehr als zu hoch angesetzt.

Alter Verbandskasten
Ob im privaten Bereich oder am Arbeitsplatz: Die Ausrüstung für Erste Hilfe muss regelmäßig überprüft werden – auch und v.a. in die Jahre gekommene Verbandskästen wie dieser auf dem Foto. Foto: Wahl

Von hyperventilierenden Prüflingen bis hin zur Herzattacke

Die Kursteilnehmer*innen zeigten dementsprechend ein hohes Engagement und ein offenkundiges Bedürfnis, für potenzielle Notfallsituationen an der Hochschule (oder auch an anderen Orten innerhalb und außerhalb der eigenen Privatsphäre) gewappnet zu sein. „Wie gehe ich mit hyperventilierenden Studierenden in Prüfungssituationen um?“, „Was mache ich bei einem Säure-Angriff im Labor?“, „Sind Erste Hilfe bzw. Sofortmaßnahmen bei Kindern anders anzuwenden?“, „Darf ein Betroffener allein nach Hause fahren? Darf ich ihn nach Hause fahren?“ Diese und viele andere Fragen trieben die Teilnehmenden neben den Grundlagen von Sofortmaßnahmen um, die sie im Rahmen des Kurses theoretisch und anhand praktischer Übungen beantwortet bekamen. Vor allem konnten Unsicherheiten und Hemmschwellen abgebaut werden – auch vor dem „Lieblings-Angst-Thema“ Herz-Druck-Massage oder Bedienung eines Defibrillators.

Erste-Hilfe-Auffrischung alle drei bis fünf Jahre empfohlen

Zum Auffrischungs-Kurs sehen sich die bestellten betrieblichen Ersthelfer*innen an der Hochschule Fulda in zwei Jahren wieder. Das ist obligatorisch und macht Sinn. Auch Privatpersonen werden von Kursanbietern wie dem Deutschen Roten Kreuz, den JohaniternErste-Hilfe-Auffrischungen in regelmäßigen Abständen von drei bis fünf Jahren empfohlen. Das ist nicht obligatorisch, macht aber trotzdem Sinn, denn:

„Im Straßenverkehr kommt es täglich zu Unfällen. Durchschnittlich 2500 mal am Tag sind Menschen in Deutschland auf Erste Hilfe angewiesen.“ (Quelle).

„Mehr als 50.000 Menschen erleiden jedes in Deutschland außerhalb des Krankenhauses einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Aber nur in 35 Prozent dieser Notfälle trauen sich Ersthelfer eine Reanimation zu.“ (Quelle)

„In der Bundesrepublik werden jährlich ca. 3 Millionen Personen in Erster Hilfe ausgebildet. Davon werden ca. 2 Million durch die Unfallversicherungsträger ausgebildet. ie Erste-Hilfe-Ausbildung findet vor dem Hintergrund statt, dass in der Bundesrepublik Deutschland jährlich annähernd 8,5 Mio. verletzte Menschen statistisch erfasst werden.“ (Quelle)

Und schließlich: Bei nicht wenigen liegt der erste und einzige Erste-Hilfe-Kurs oftmals viele Jahre bis Jahrzehnte zurück, dann nämlich, als sie den Führerschein erworben hatten.

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