Folge 1: Generation Z – Wie ticken heute unsere Jugendlichen?

Digitalisierung, Jugendstudien, Hochschule Fulda
Laut der Shell-Jugendstudie sind Kommunikation und Freizeit bei den Jugendlichen vornehmlich digital bestimmt. Für insgesamt 70% der Befragten ist das Smartphone ständiger Begleiter. Foto: Wahl

Mythen und Legenden ranken mitunter bei der immerwährenden Frage, wie eigentlich unsere Jugendlichen ticken. Gerade in den heiligen Hallen der Hochschule Fulda wird sich mit der Jugendgruppe regelmäßig beschäftigt, könnte sie sich schließlich demnächst in den Beratungsstellen oder Seminaren der Abteilungen und Fachbereichen tummeln. Manche Mitarbeiter*innnen haben die „Zielgruppe“ zu Hause, andere haben nur ab und zu Kontakt oder nur oberflächlichen. Daher sammelt der Campus-Blog nun Fakten und stellt diese in regelmäßig erscheinender Reihe vor.

In Gesprächen über die „Jugend von Heute“ werden oftmals aus Einzel-Eindrücken scheinbar allgemeingültige Behauptungen. Deshalb beginnt der Campus-Blog das neue Jahr mit der Reihe „Generation Z – Wie ticken unsere Jugendlichen?“, indem er aktuelle Studien, Befragungen und Interviews zu Rate zieht und diese in regelmäßiger Abfolge vorstellt.

Gestartet wird mit einem Rundumschlag möglicher Themen. Als Referenzwerk zeigt sich die Shell Jugendstudie als besonders hilfreich, hat sie sich doch in den vergangenen Jahrzehnten (1953 erstmals herausgegeben und erscheint ca. alle vier Jahre) als ein Bestandteil einer umfassenden Sozialberichterstattung etabliert. Befragt werden in der quantitativen Erhebung 12-25-Jährige über Werte, Gewohnheiten und Sozialverhalten, qualitativ ergänzt von 20 biografischen Interviews.

Die jüngste Erhebung lief vergangenes Jahr über die Bühne, deren Ergebnisse im heutigen Beitrag zunächst in aller Kürze zusammengefasst werden sollen. Weitere Beiträge in der kommenden Zeit vertiefen dann einzelne Themenschwerpunkte, die sich aus der Shell-Jugendstudie sowie weiteren noch vorzustellenden Studien generieren.

Der Untertitel der jüngsten und 18. Shell-Jugendstudie  aus dem Jahr 2019 lässt bereits erahnen, wohin neuerliche Tendenzen innerhalb der Jugendgruppen hinführen: „Eine Generation meldet sich zu Wort“, heißt es dort. Und das war nicht immer so.

Politik und Engagement

Heutige Jugendliche wollen am politischen Geschehen vermehrt mitreden und ihre Ideen und Ansprüche für die Zukunft mitgestalten. Jedoch ist ihr konkretes politisches Engagement im Vergleich zu 2015 sogar eher rückläufig. Auch wenn Bewegungen wie „Fridays For Future“ für Furore sorgen, liegt das politische Interesse und Engagement konstant zwischen 30 bis 40 % (2015: 43%). Je bildungsnäher, desto höher der Anteil politisch Engagierter; Tendenz aktuell steigend – auch vor dem Hintergrund der großen Bedeutung bewusster und achtsamer Lebensführung.

Digitalisierung

Obwohl die Befragten als seröse Quellen für politische Informationen nach wie vor Formate wie ARD und ZDF bzw. Tageszeitung angeben,  werden diese lediglich von 23 % genutzt. Vorherrschend sind vielmehr digitale Medien wie Nachrichtenwebsites und News-Portale (20%), jeweils 15 % informieren sich noch über Radio und klassische Printmedien, 14 % beschaffen sich ihre Informationen über Messenger Apps, 9% über Youtube.

Durchschnittlich 3,7 Stunden verbringen sie täglich im Internet. Gerne wird dabei auf Streaming und Videos zurückgegriffen (45%), das Fernsehen hat hingegen an Bedeutung verloren (2015: 49%; 2019: 33%). Je bildungsferner, desto mehr wird gesurft, gegamed und TV geschaut. Während 2002 sich noch 62% mit Leuten trafen, waren es 2019 nur noch 55%.

Digitalisierung, Jugendstudien, Hochschule Fulda
Mehr „Selfies“ statt „face-to-face-Begegnungen“? Digitales Surfen im Alleingang scheint gegenüber persönliche Treffen mit Freunden zunehmend die Oberhand zu gewinnen. Foto: Wahl

Werteorientierung

Drei von vier Jugendlichen nennen die Umweltverschmutzung als die größte Herausforderung. 71% siedeln das Thema Umweltschutz höher an als den eigenen hohen Lebensstandard (63 %). Nachhaltigkeit, entsprechender Konsum und Mental Health sind weitere Säulen der aktuellen Werteorientierung.

Überdies behalten Familie und Beziehungen für die eigene Lebensführung einen hohen Stellenwert, mehr noch als Eigenverantwortlichkeit und Unabhängigkeit.  Entsprechend wünschen sich die Jugendlichen bezogen auf Bildung und Arbeit Sicherheit am Arbeitsplatz, Vereinbarkeit von Familie und Beruf (angepasste Arbeitszeiten, mehr Familienzeit für Eltern). Und insgesamt blickt über die Hälfte der Jugendlichen (58 %) optimistisch in die Zukunft. Auch das war nicht immer so. Erst 2015 sahen die Befragten ihrer Zukunft das erste Mal positiv entgegen.

Religion und Kirche

69% aller Jugendlichen akzeptieren die Kirche als Institution und finden es grundsätzlich gut, dass es sie gibt (75 % der katholischen Jugendlichen, 79 % der evangelischen Jugendlichen, 45 % der konfessionslosen Jugendlichen). Allerdings nimmt die Bedeutung des Glaubens für die eigene Lebensführung für jugendliche Mitglieder der christlichen Kirchen seit 20 Jahren stetig ab („An Gott glauben“ wichtig finden es 39 % der katholischen Jugendlichen und 24 % der evangelischen Jugendlichen). Allerdings ist der Glaube für 73 % der muslimischen Jugendlichen von hoher Wichtigkeit.

Zwischen Weltoffenheit und Populismus

Insgesamt wird Deutschland als sozial gerecht angesehen (59 %). Auch die EU wird als Chance für Wohlstand, kulturelle Vielfalt und Frieden betrachtet. Die Aufnahme Geflüchteter wird von 7% als positiv bewertet

Zum Thema „Populismus“ erhob man nach fünf Kategorien:  „Kosmopoliten“ (12 %), die „Weltoffenen“ (27 %), die „Nicht-eindeutig-Positionierten“ (28 %), die Populismus-Geneigten (24 %) und die „Nationalpopulisten“ (9 %).

 

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