Zwischen Freude, Unsicherheit und Nachwirkungen der Online-Semester

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Der Campus der Hochschule Fulda darf sich wieder mit unseren Studierenden füllen. Doch die zurückliegenden drei Online-Semester wirken in einigen Bereichen nach. Foto: Uli Mayer

Das Wintersemester hat begonnen und die Hochschulen sind auf den neuerlichen Präsenzbetrieb vorbereitet. Doch wie kamen die Studierenden in den vergangenen Monaten klar in mit dem digitalen Campus-Leben? Bundesweite Studien decken sich mit Erfahrungen und Eindrücken aus der Hochschule Fulda.

Die Universitäten Hildesheim und Münster veröffentlichten dazu unlängst in ihrer bundesweiten Studienreihe Stu.diCo II Ergebnisse einer zweiten Befragungsrunde. Im Gegensatz zur Befragung aus dem Sommer-Semester 2020 (Stu.diCo I) zeigte sich eine Normalisierung: 

Sehnsucht nach Uni-Alltag, direkten Kontakten und Austausch

29,1 Prozent der Studierenden haben technische Einschränkungen als Herausforderungen empfunden, vergangenes Jahr waren es noch 42,6 Prozent. Eine ungestörte Arbeitsatmosphäre haben 63,5 Prozent gehabt. Gleich ist die Sehnsucht nach hochschulischer sozialer Infrastruktur geblieben, die weiterhin über 60 Prozent der Befragten vermisst haben. 91 Prozent sagten aus, dass ihnen die Gespräche mit den Kommilitonen fehlen, über 80 Prozent hat der direkte Kontakt mit den Dozentinnen und Dozenten gefehlt.

Dr. Robert Richter von der Psychosozialen Beratung der Hochschule Fulda bestätigt zum einen die Ergebnisse der o.g. bundesweiten Studie und trotz gewisser Normalisierungen in v.a. technologischen Bereichen weiß er zum anderen aus eigenen Erfahrungen und Gesprächen mit ratsuchenden Studierenden, dass „80 Prozent der psychosozialen Stress- und Problemlagen seit den vergangenen Online-Semestern und darüber hinaus ursächlich auf Corona und auf ihre Folgen auf das Studium zurückzuführen sind“.

Coronadämmerung
Sehnsucht nach Normailität, gemischt mit pandemischer Unsicherheit und den psychosozialen Nachwirkungen der Online-Semester. Foto: Imago/Shutterstock/SZ-Grafik

Depressive Symptome sprunghaft gestiegen

Depressive Symptomatiken seien sprunghaft gestiegen, auch die damit einhergehenden Antriebslosigkeiten und Selbstzweifel. Gleichzeitig bleibt der Anspruch an sich selbst sehr hoch, wollen doch zum Beispiel die meisten Studierenden trotz des Ausnahmezustands einer Pandemie nach wie vor die Regelstudienzeit beibehalten und setzen sich unnötig unter Druck. „Studierende, die  hier Rat und Hilfe suchen, stehen bereits unter einem enormen Leidensdruck und haben das Gefühl, mit ihrem Problem allein zu sein [vgl. auch Schaaf, Julia: „Die Vergessenen der Pandemie“; FAS; 10. Oktober 2021; Nr. 40; S. 9; Anm. d. Red.]. Dies erhöht den Druck noch mehr.“ Besonders schwierig sei es deshalb vor allem für Studierende, die (noch) kein soziales Netz haben, weil sie etwa frisch nach Fulda gezogen seien und niemanden kennen und sich auf persönlicher Ebene austauschen könnten.

Strukturen, Rituale, Verabredungen helfen aus psychischen Nöten und sozialer Isolation

„Gerade, wenn die Außenstruktur wegbricht“, so Dr. Robert Richter, „ist es wichtig, sich selbst Strukturen einzurichten, Rituale einzubauen und sich regelmäßig mit anderen Studierenden zu verabreden – wenn nötig: online.“ Er selbst habe während der Online-Semster unterschiedliche Erfahrungen gemacht. „Beratungsagespräche über Telefon fand ich anfangs schwierig, da fehlen einfach zum einen Informationen über Körperhaltung, Gesten oder andere Sinneseindrücke. Die Konzentration lediglich aus dem gesprochenen Wort heraus ist bei unserer Art der Beratung eine besondere Herausforderung. Kurz-Beratungen und Video-Chats liefen gut. Diese werden auch in Zukunft weiter angeboten.

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