Ab in die (Sommer-)Pause – Abschalten und das Gehirn weiter arbeiten lassen

Während in Pausen auch mal bewusst der Stecker gezogen wird, arbeitet das Gehirn unterbewusst weiter. Foto: Uli Mayer

Was für Berufstätige gilt, gilt für Studierende allemal – insbesondere in coronabedingten Zeiten von Home-Office und Online-Lehre: Die Grenzen zwischen Privatleben und Arbeitsleben oder Studium sind oft nicht mehr klar erkennbar. Gerade wenn zwischen Arbeit, Studium, Familie, Freizeit die Übergänge fließend sind und nach wie vor „Work-Life-Balance“ als gesundes Mittel anzustreben ist, kommt der „Disziplin der Pausen“ eine besonders hohe Bedeutung zu.

Wir verschicken heute berufliche Mails oder chatten mit Kommiliton*innen über Hausarbeitsfragen,  treffen uns in virtuellen Meetings, erarbeiten im Homeoffice oder vom heimischen Sofa aus Organisationsstrategien oder Planspiele. In dieser stressfördernden Gemengelage von Arbeits-/Studienaufgaben, privaten Verpflichtungen und Freizeitbedürfnis, fällt es vielen schwer, sinnvoll Pausen in einen solchen Alltag hinein zu organisieren. Im Gegenteil werden Pausen oftmals einfach vergessen. Auch haben sie in breiten Teilen einen nicht besonders guten Ruf und gelten als unproduktiv. Zu Unrecht, wie im Grunde jeder intuitiv spürt und im übrigen seitens der Neurowissenschaft eindrücklich nachgewiesen werden kann. 

Pausieren heißt für unser Hirn Reflektieren

Denn wer Pausen einlegt, ist nicht etwa faul, sondern erreicht einen Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung. Auf diese Weise wird langfristig zur erhöhten Produktivität der Hirnaktivität beigetragen. Während in der Pause auf Leerlauf eingeschaltet ist, arbeitet das Gehirn fleißig weiter. Es ordnet Informationen, wodurch Gelerntes gefestigt wird. So durchfahren uns durchaus die genialsten Geistesblitze etwa beim Warten auf den Lift oder während der denkbar privaten Sitzung auf der Toilette, ohne dass wir bewusst daran gearbeitet hätten. Pause bringt also keineswegs einen Stillstand mit sich, sondern eine kognitive Verarbeitung auf  tieferer Ebene, die weder mit Plan noch Absicht hätte erzwungen werden können. Für unser Hirn bedeutet Pausieren:Reflektieren!

Ruhepause für uns – Wiederkauen im Schnelldurchlauf für’s Hirn

Während einer bewusst eingelegten Pause, arbeitet im Unterbewusstsein das Gehirn kognitiv weiter. Wie eine Studie zeigt, geht das Gehirn in Ruhepausen die letzte Aufgabe noch einmal durch. Genauer: Der Hippocampus wiederholt in hoher Geschwindigkeit die Aktivitätsmuster, die er für die vorangegangene Problemlösung eingesetzt hatte. Die Forscher*innen vermuten hinter diesem Wiederholungsprozess eine Festigung der jüngsten Repräsentations-Erfahrungen  des Gehirns, was wiederum den Boden für Entscheidungsfindungen ebnet. Gerade in Entscheidungssituationen sind solche unterbewussten Verarbeitungsprozesse sehr bedeutsam. 

Wer Entscheidungen treffen will, sollte sich Ruhepausen gönnen. Foto: Uli Mayer

Pause nach eigenem Bedarf – die Abwechslung macht’s

Für die „richtige“ Pause gibt es kein Patentrezept, sondern vielmehr zahlreiche Möglichkeiten – je nach individuellem Gusto und Bedarf. Die ideale Pausenstrategie muss jede*r für sich selbst finden und dabei seiner/ihrer Intuition vertrauen. Ob 5 Minuten Pause jede Stunde, Power-Nap oder Bewegung, ob Schnack mit Kolleg*innen oder Selbst-Hypnose – Hauptsache, man bietet den Sinnen Abwechslung. Wer – wie Studierende oder Erwerbstätige viel vor dem Bildschirm sitzt, sollte sich einen anderen Ausblick gönnen und für Bewegung sorgen. Andere sind bei der Arbeit eher körperlich gefordert und sollten eher ihre Muskeln entspannen.

Eine besonders schöne Pause steht nun vielen von uns bevor (oder sind bereits mittendrin): die vorlesungsfreie Zeit und Urlaubszeit!
Im Sinne aller kleinen und großen Pausen wünscht der Campus-Blog allen eine gute Rest-Sommer-Zeit – mit mehr oder weniger bewussten Hirnaktivitäten! 🙂

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.