Infoveranstaltung gut angenommen: Forum „Psychisch fit studieren“

Psychisch fit studieren, Hochschule Fulda
Referentin Silke Nöller gab umfassende Infos und Tipps, wie Studierende psychisch fit durch ihr Studium kommen. Foto: Wahl

Gut studieren – Krisen überstehen – Zufrieden leben. Diese Leitlinien hat sich der Verein „Irrsinnig Menschlich e.V.“ zum Ziel gesetzt und – mit Förderung der Beisheim-Stiftung – ein Präventionsprogramm für Hochschulen entwickelt, das unter dem Titel „Psychisch fit studieren“ deutschlandweit die Runde macht. Im Rahmen einer von der Zentralen Studienberatung organisierten Informationsveranstaltung Mitte Januar machte der Verein auch Station an der Hochschule Fulda und gab  den interessierten Teilnehmer*innen u.a. zahlreiche Hinweise und Tipps zum Thema psychische Gesundheit und Krisenbewältigung.

Geladen waren die Referent*innen Silke Nöller als Expertin vom Verein „Irrsinnig Menschlich e.V.“ und Anna Feuerbach als direkt Betroffene, die offen und weiterführend von ihren eigenen Erfahrungen berichtete.

Fakten helfen Verstehen

Silke Nöller stellte zunächst Studien vor, nach denen jeder sechste Studierende psychisch erkranke. Insgesamt litten 25 Prozent der Menschen unter psychischen Beeinträchtigungen, welche meistens vor dem 25. bzw. 24. Lebensjahr (75 Prozent) aufträten. Häufigste Beschwerden: depressive Verstimmungen, mangelndes Selbstwertgefühl, Ängste. Häufigste Erkrankungen: Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen. Dabei vergingen acht bis zehn Jahre zwischen Auftreten der ersten Symptome und Beginn einer Behandlung. Und die möglichen Folgen für Studierenden könnten ein Studienabbruch oder sogar Suizid sein. Letzteres sei weltweit die führende Todesursache unter den Studierenden.

Nach diesen alarmierenden Fakten stellte Referentin Nöller eins jedoch ganz klar: „Ein Studium per se macht nicht psychisch krank.“ Doch hat sich das Forum im Rahmen seines Programms in erster Linie zum Ziel gesetzt, Hilfestellungen für Studierenden zu bieten, um seelisch fit zu bleiben, dem Studienalltag gewappnet zu sein, aber auch in zweiter Linie, dem Stigma entgegenzuwirken und das Thema „salonfähig“ bzw. öffentlich zu machen.

Fahrplan durch die Krise

Neben zahlreichen Infomaterialien zu weiterführenden Hilfsangeboten und Beratungsstellen gab Silke Nöller in der Kürze der Zeit einen groben Fahrplan zur psychischen Krisenbewältigung durch: 1.) Verstehen; 2.) Erkennen; 3.) zur Sprache bringen; 4.) Vorbeugen; 5.) Bewältigen.

Zum Verstehen gehört beispielsweise das Verständnis dafür, wie psychische Erkrankungen entstehen, darunter die Rangliste der Stressfaktoren. Die dadurch wachsende Selbststeuerung führt zu weniger Stress. Auch das Bewusstsein (und v.a. die Umsetzung) einer gesunden Lebensführung spielt eine entscheidende Rolle für psychische Stabilisierung bzw. Gesunderhaltung (auch hierzu gab es zahlreiche Tipps), ebenso etwa eine gute soziale Verbundenheit.

Beim Erkennen ist das Problembewusstsein A und O, sich im ersten Schritt also die Krise einzugestehen (, was meistens das Schwerste ist) und sich im zweiten Schritt Hilfe zu holen (und zwar so schnell wie möglich). Gerade in besseren Zeiten sollte man sich mit seinem Problem auseinandersetzen und Hilfsmaßnahmen ermitteln, um in schlechten Zeiten gleich zu wissen, was zu tun ist und wohin man sich wendet.

Psychisch fit studieren, Hochschule Fulda
Corinna Steinebronn (Beraterin für Mneschen mit Behinderungen / chronischen Erkrankungen) und Robert Richter (Psychosoziale Beratung) stellten ihre Hilfsangebote vor. Foto: Wahl

Letzterers war ein gutes Stichwort für die Akteur*innen der Hochschule, dem Plenum sich und ihr spezifisches Angebot vorzustellen, darunter sprachen: Corinna Steinebronn (Studieren mit Behinderung / chronischer Erkrankung [ZSB]); Robert Richter (Psychosoziale Beratung / [ZSB]); Jens Schreiner in Vertretung für Moritz Grandis (Netzwerken für Mut und Gelassenheit – eine Initiative von und für Studierende) sowie Diana Dreßler (Antidiskriminierungsstelle).

Psychisch fit studieren, Hochschule Fulda
Jens Schreiner kam in Vertretung von Moritz Grandis (Netzwerken für Mut und Gelassenheit), Diana Dreßler informierte über die Antidiskriminierungsstelle. Foto: Wahl
Psychisch fit studieren, Hochschule Fulda
Anna Feuerbach stellte sich aufgeschlossen und kundig den zahlreichen Fragen aus dem Plenum. Foto: Wahl

Den Abschluss bildete der Erfahrungsbericht von Anna Feuerbach, die jahrelang mit steigernden Ängsten und Depressionen im Spannungsfeld von Perfektionismus und Leistungsorientierung zu kämpfen hatte. Eindrücklich erzählte die promovierte Biologin von ihrem langen Leidensweg, den sie aber nach und nach – auch mit weitreichenden Haltungs- und Lebensveränderungen – meisterte. Zum Schluss stellte sie sich offen und kompetent den zahlreichen Fragen und verwies auch auf ihren Blog www.seelenschluckauf.de.

Insgesamt lautete der Appell von allen Beteiligten: Wer an sich psychische Schwierigkeiten feststellt, sollte darüber reden und nicht zu lange damit warten, sich Hilfe zu holen!

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